Ratgeber

IFC im Holzbau: Was beim Import in die Abbundsoftware oft schiefgeht

IFC gilt als universelle Schnittstelle – in der Praxis hakt der Import in die Abbundsoftware aber oft. Hier die häufigsten Stolpersteine und wie eine saubere IFC-Datei aussieht.

IFC (Industry Foundation Classes) ist ein offenes, herstellerneutrales Dateiformat für den Austausch von Bauwerksmodellen. Es soll Geometrie und Eigenschaften so beschreiben, dass jede BIM- oder CAD-Anwendung sie lesen kann – im Holzbau also auch die Abbundsoftware.

So weit die Theorie. In der Praxis entscheidet die Qualität der IFC-Datei darüber, ob der Import in Dietrich's, SEMA oder cadwork reibungslos läuft oder zur Nacharbeit wird. Die folgenden Fehlerquellen tauchen am häufigsten auf.

Falsche Einheiten und Maßstab

Der Klassiker: Im Modell sind die Längen in Millimetern definiert, die Abbundsoftware interpretiert sie aber als Meter – oder umgekehrt. Das Ergebnis ist ein Modell, das um den Faktor 1000 zu groß oder zu klein im Projekt landet. Manchmal sieht man nach dem Import gar nichts, weil das Bauteil weit außerhalb des sichtbaren Bereichs liegt. Eine korrekt deklarierte Längeneinheit im IFC-Header ist deshalb die erste Voraussetzung für einen sauberen Import.

Verdrehte Achsen und Ausrichtung

IFC arbeitet üblicherweise mit Z als Höhenachse (Z-up). Stammt eine Datei aus einer Anwendung mit anderer Achskonvention oder wurde beim Export nicht korrekt umgerechnet, kann das Modell liegen statt stehen. Heikler ist die Profil-Orientierung der einzelnen Stäbe: Ein Sparren oder Pfosten kann zwar an der richtigen Stelle sitzen, aber um seine Längsachse verdreht sein – dann steht der Querschnitt hochkant statt flach. Solche Verdrehungen fallen oft erst beim Bemaßen oder im Abbund auf.

Bauteile als reine Volumenkörper statt Stäbe

Für die Abbundsoftware ist ein Holzbauteil mehr als ein Klotz im Raum. Sie braucht den Querschnitt (das Profil) und die Achse, entlang der das Profil verläuft – nur so lassen sich Längen, Schnitte und Bearbeitungen ableiten. Wird ein Balken stattdessen als reiner Volumenkörper (eine vernetzte Hülle ohne Profilinformation) exportiert, kann der Abbund damit wenig anfangen. Das Bauteil ist sichtbar, aber nicht als Stab nutzbar, und muss von Hand nachmodelliert werden.

Doppelte oder überlappende Geometrie

Wird ein Modell mehrfach exportiert oder werden mehrere Quellen zusammengeführt, entstehen schnell doppelte Bauteile, die exakt übereinander liegen. In der 3D-Ansicht sieht man den Fehler nicht, in der Holzliste und im Abbund schon: Mengen verdoppeln sich, Bearbeitungen kollidieren. Auch verschmolzene Bauteile sind ein Problem – wenn zwei Hölzer zu einem Körper zusammengefasst wurden, lassen sie sich nicht mehr einzeln behandeln.

Fehlende Struktur und Benennung

Eine IFC-Datei kann geometrisch korrekt sein und trotzdem schwer zu verarbeiten, wenn die Struktur fehlt. Ohne sinnvolle Bauteil-Typen (Sparren, Pfette, Stütze) und ohne nachvollziehbare Benennung wird der Import zur Sucharbeit: Man muss jedes Element einzeln identifizieren, statt es über den Typ automatisch zuordnen zu lassen. Eine klare Gliederung in Geschosse, Bauteilgruppen und eindeutige Namen spart hier viel Zeit.

So sieht eine saubere IFC-Datei aus

Eine gut nutzbare IFC-Datei hat korrekt deklarierte Einheiten, eine klare Achskonvention (Z-up) mit richtig orientierten Profilen, Bauteile als Querschnitt entlang einer Achse statt als reine Volumenkörper, keine doppelte oder verschmolzene Geometrie und eindeutig benannte, typisierte Bauteile. Genau so liefert der Konfigurator die Geometrie. Mehr dazu im IFC-Export für Abbundsoftware, und wie die Geometrie in Ihre Angebotsgrundlage einfließt, lesen Sie beim Kalkulationsprogramm für Zimmereien.